Startseite > Aktuelles > Konversationen #8
KONVERSATIONEN # 8
Wir dokumentieren im Folgenden eine Unterhaltung zwischen Felix, Jim Igor und Alex (KSP Mitglieder aus Berlin und Frankfurt) vom 11.09.2024.
Felix
1) Hat die KSP eigentlich ein Verhältnis zu Gewerkschaften (ich meine Arbeiterinnen Gewerkschaften, nicht die Mietergewerkschaft)? Möchte sie eigene Gewerkschaften aufbauen helfen, die kämpferischer (??) sind als der DGB? Steht das überhaupt zur Debatte und falls nein, warum nicht?
2) inwiefern hat sich das Feld sozialistischer Praxis vom Arbeitsplatz in Richtung der Reproduktions(?)sphäre verschoben: Wohnraum, Freizeitgestaltung, Bildung… (weil zugleich waren ja all diese Dinge von jeher teil sozialistischer Praxis, da muss man nicht mal
“Arbeiterbildungsverein” ausbuchstabieren)
Jim Igor
1) Wir wollen da auf jeden Fall hin, es ist aber zur Zeit unrealistisch. Wir machen eben nicht sowas wie Intervention in Arbeitskämpfe im Krankenhaus oder Lieferservice, um dann rausgeschmissen zu werden und bisschen verbrannte Erde zu hinterlassen. Meine Vorstellung ist, dass wir über die anderen Aktivitäten einen organischeren Einstieg finden: Die Leute in der Mietergewerkschaft sind Arbeiter. Die Eltern der Lernhilfe-Kinder sind Arbeiter.
Wenn diese anderen Aktivitäten einen großen Umfang erreichen, werden wir darüber Kontakt zu Gewerkschaftsaktivisten bekommen und dann werden wir sehen, was da zu tun und möglich ist. Ob man Opposition zur SPD in den DGB-Gewerkschaften aufbaut, sich an den in dieser Richtung bereits aktiven Netzwerken beteiligt, was eigenes aufbaut (umgeht man, wenn man den DGB umgehen will, die Arbeiter selbst? Gibt es genügend Unorganisierte, die sich neben dem DGB organisieren ließen?).
Der Grund, warum es nicht zur Debatte steht, ist dass es noch sehr sehr weit weg ist, bis wir da agieren können. Wir erleben gerade mit der Mietergewerkschaft, was die Sozialdemokratie tut, wenn jemand in ihr Gebiet pisst. Und das sind nur die verschlafenen Mieterverbände. Der DGB ist eine hochgerüstete Brandmauer gegen Sozialisten und alle Versuche, da irgendwas zu drehen. Das ist eine militante Mafiaorganisation mit einem Jahrhundert Kampferfahrung gegen linke
Interventionen, da spaziert man nicht mal rein und schaut, was geht. Ich schätze, es lässt sich in der Bundeswehr leichter agieren, als im DGB. Wir müssen wie gesagt geduldig sein, bis wir groß genug sind, dass wir Leute anziehen, die da bereits in Kämpfen drin stecken und Erfahrung haben.
2) Keine Ahnung, was sich verschoben hat, glaube das könnten wir erst wirklich beobachten, wenn wir in allen Teilen der Gesellschaft mitspielen. So lange gehen wir in jedes Feld und schauen, was
wir verschieben können.
Alex
Ich teile Jims Einschätzung und wäre gerade auch deshalb sehr daran interessiert, von den Erfahrungen aus Berlin zu hören. Am liebsten im Rahmen eines Salons. Denn einerseits wird der DGB kaum Götter neben sich dulden, andererseits gibt es innerhalb des DGB ja durchaus
SozialistInnen, die zwar „nur“ radikale Gewerkschaftsarbeit machen, damit aber ja schon an etwas ähnlichem arbeiten, wie wir: Die zivilgesellschaftliche Organisierung so weit treiben, bis die
Notwendigkeit des Sozialismus/einer Partei deutlich wird. Ich denke zum Beispiel an die berühmten Verdi-Süd Aktivisten, die regelmäßig die Müllabfuhr- oder Grünpflege-Arbeiter zu kämpferischen Betriebsräten schulen. Ich denke schon, dass das Teil des Milieus ist, an dessen Aufbau wir interessiert sind.
Ich glaube auch, wie Jim sagt, dass wir als KSP momentan auf diesem Feld wenig ausrichten können, aber es wäre schon ein großer Gewinn, wenn wir solche kämpferischen Betriebsräte, die ja oft auch viel wertvolle Erfahrung und Vernetzung in der Klasse haben, für uns gewinnen könnten oder wenn wir uns zumindest wechselseitig solidarisch zur Kenntnis nehmen würden. Und wenn der Gewerkschaftsaktivist Kinder hat oder Mieter ist, können wir vielleicht sogar wirklich hilfreich sein.
Jim Igor
Absolut, ich wollte damit auf keinen Fall sagen, dass radikale Gewerkschaftsarbeit sinnlos oder zu wenig für uns wäre, sondern umgekehrt, wir sind (noch) zu wenig, um für die Sozialisten in der
Gewerkschaft interessant zu sein.
Aber wir wollen auf jeden Fall in dieses Feld. Und wir haben ja auch Leute im Umfeld. Katze und Malte organisieren Arbeiter gewerkschaftlich. Aber es ist bisher noch kein Kampagnenprojekt
daraus geworden und ich will nur sagen, dass das nicht zu unterschätzen ist und wir da nicht einfach reinstolpern können, als hätten die Arbeiter nur auf ein ordentliches sozialistisches Programm
gewartet – und als hätten wir ihnen eines anzubieten.
Falls auch Du uns eine Nachricht schreiben willst, dann kannst Du dies über unseren Instagram-Kanal oder über unsere offene Telegram-Gruppe tun.
