Startseite > Aktuelles > Konversationen #19

KONVERSATIONEN # 19

Unsere Mitglieder Andy (Offenbach), Thorben (Potsdam) und Maximilian (München) tauschen sich mit Interessierten zu unserem Parteibegriff aus. Vom 10.08.2026

Fili

Hallo, ich hatte vor langer Zeit mal hier geschrieben aber ich hab tatsächlich eine Frage: warum nicht mit der PdL zusammenarbeiten oder die Ressourcen der PdL nutzen? Ich bin selber nur Mitglied (also kein Amt, Mandat oder sowas) aber ich dachte dass die Ressourcen die dort verwendet werden für Wahlkampf auch für revolutionäre Projekte genutzt werden könnten.

Andy

Ich würde sagen, dass das auf Projektebene im Einzelfall durchaus gemacht werden kann und auch gemacht wird (zB beim Bündnis für einen Mietpreisstopp bei Nessauischen Heimstätte in Frankfurt). Aber in der Regel sehe ich da das Problem, dass die Linkspartei die Bearbeitung aller Probleme auf die Parlamentsebene bringt bzw. bringen will, und damit der Selbstorganisierung der Zivilgesellschaft entgegenläuft. Denn wenn die Politik unsere Probleme ‚löst‘ (was sie nicht kann), dann müssen wir ja selbst nichts mehr machen (außer ggf. ‚Druck auf Parteien aufbauen‘). Die Lösung der Probleme selbst in die Hand zu nehmen (am Beispiel der Mietergewerkschaft: direkte ökonomische Auseinandersetzung mit dem Vermieter statt Appelle an ‚die Politik‘) baut hingegen Organisationskraft auf und bildet die Grundlage für jegliche tatsächlich politische Lösung.

Fili

Das verstehe ich aber warum dann eine Kampagne für eine sozialistische Massenpartei wenn dieser Appell fragwürdig ist (wo ich zustimme)? Ich frage nur damit ich besser verstehen kann.

Andy

Ich verstehe unter der sozialistischen Massenpartei den politischen Arm der organisierten Zivilgesellschaft, der also keine Versprechungen über parlamentarische Lösungen anbietet, sondern die Selbstorganisierung vorantreibt, bündelt und zur politischen Selbstermächtigung (sei es revolutionär oder ggf. auch auf anderem Wege) befähigt. Gegebenenfalls kann diese Partei auch im parlamentarischen Spiel mitspielen, dass will ich nicht ausschließen, aber sie sieht das Parlament nicht als den zentralen Ort politischer Arbeit, sondern als eins von vielen Feldern, das strategisch genutzt werden kann. 

Fili

Ok, das verstehe ich wiederum mehr. Es braucht meiner Meinung nach verschiedene Organisationsansätze wo die Massenpartei eine von ist.

Andy

Das kann gut sein! Ich verstehe die KSP auch explizit als Versuch, ob diese Massenpartei der zeitgemäße und richtige Weg ist. Ich persönlich bin davon überzeugt, dass es die Partei braucht, lass mich aber sehr gern von anderen Organisationsformen überzeugen, wenn sie effektiver sind.

Fili

Ja stimmt, ich glaube halt dass es alles braucht, also verschiedene Dinge (z.B. Gewerkschaften, soziale Bewegungen, selbstorganisierte Gruppen etc.).

Thorben

So wie ich den Parteibegriff der KSP bisher verstanden habe, soll er gerade offen sein dafür, welche Form sie später annimmt. Es soll lediglich ausdrücken, dass das was der Linken fehlt ein Knotenpunkt ist, an dem alle gesellschaftlichen Kämpfe verbunden, geplant, koordiniert werden. Gewerkschaften, soziale Bewegungen, selbstorganisierte Gruppen sind alles Beispiele dafür was in einer Partei vernetzt und gemeinsam schlagfähig wäre. In Berlin haben wir zum Beispiel bei den Betreuungsinseln neben vielen anderen auch Räume von der Linkspartei genutzt. Und soweit ich informiert bin haben sich auch Leute aus der Linkspartei praktisch beteiligt. Also die Antwort wäre wir arbeiten mit allen zusammen, die gemeinsam Selbstorganisierung der Zivilgesellschaft vorantreiben wollen. Die KSP ist keine weitere Organisation neben allen anderen, sondern der Aufruf an Linke aller Organisationen sich zu vereinigen in diesem Aufbau

Barish

Das verstehe ich, aber ich hätte trotzdem auch eine Frage: Es gibt in Deutschland viele Organisationen die ihren Ursprung in der sozialistischen Arbeiterbewegung haben, (Falken, Naturfreunde z.b) daneben auch viele lokale Initiativen Mieterinitiativen, Lernhilfen, insgesamt das organisierte Vereinswesen. Warum wird nicht versucht als Bindeglied dieser Angebote zu funktionieren, sich dort einzubringen? 

Johann 

Das ist doch mehr oder weniger bereits die Idee, hätte ich gesagt. Plus die ein oder andere neue Initiative.

Maximilian

Machen wir doch schon längst. Allerdings sind wir derzeit etwas zu klein, um den Anspruch als Bindeglied, sichtbar einlösen zu können. Wir brauchen weitere Sozialisten, Leute, die sich genau dieser Aufgabe zu stellen bereit sind.

Thorben 

Wie die andren gesagt haben ist genau das was wir versuchen. Ich bin z.B. bei den Falken in Potsdam aktiv 🙂 

Falls auch Du uns eine Nachricht schreiben willst, dann kannst Du dies über unseren Instagram-Kanal oder über unsere offene Telegram-Gruppe tun.

Nach oben scrollen