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KONVERSATIONEN # 15
Wir dokumentieren im Folgenden Antworten von Odie, KSP-Mitglied aus Berlin, Alex und Jim Igor, beide KSP-Mitglieder aus Frankfurt, vom 02.10.2025 auf folgende Frage:
Wonach entscheidet ihr in welchen bestehenden Projekten ihr aktiv werdet bzw. welche ihr neu aufbaut?
Odie
Für mich ging diese Frage so direkt an den Kern vieler un- und halbbeantworteter Fragen der KSP-Aktivität, dass ich einige Wochen brauchte, um eine Antwort formulieren zu können. Die KSP existiert, um gemeinsam Aktivismus zu betreiben, genauer gesagt, um zivilgesellschaftlichen Aktivismus, unabhängig von staatlicher oder quasi-staatlicher Vermittlung und Management, in vollständig selbstorganisierten Projekten zu betreiben.
Es gibt viele Gründe, warum wir das so machen wollen und verschiedene Ergebnisse, die wir uns davon versprechen. Andererseits wollen wir uns selbst und anderen Mitgliedern der Gesellschaft, die aus politisch-intellektuellen oder vielleicht auch nur biografischen Gründen den Kapitalismus zu überwinden trachten, die Möglichkeit bieten, praktische aktivistische Erfahrungen zu machen. Es geht nicht um irgendeinen politischen oder „linken“ Aktivismus, sondern um den Versuch, durch Selbstorganisation Antworten auf tatsächlich erlebte gesellschaftliche Probleme und Unzufriedenheiten zu finden. Das deutet auf eine erste Antwort auf die Frage: Die Projekte müssen
nützlich sein und genutzt werden, und sie müssen unseren Aktivisten erlauben, sich nützlich zu machen.
Wir wollen die Gesellschaft kennenlernen, eine auf praktischen Erfahrungen basierende Kenntnis der gesellschaftlichen Realität gewinnen. Das bedeutet, dass die Vorannahmen, mit denen wir in Projekte hineingehen, minimaler und praktischer Natur sein müssen; es dürfen keine Projekte sein, die nur durch umfangreiche theoretische „Frameworks“ Sinn ergeben. Idealerweise sollte ein Projekt so offenkundig sinnhaft sein, dass der Großteil der Menschen, denen man davon erzählen würde, direkt verstünden, warum und wofür es gut ist. Zudem wollen wir Projekte aufbauen, die lange bestehen können, sich selbst tragen und reproduzieren können und gut von einem lokalen
Kontext in einen anderen übertragen werden könnten.
Das ist wichtig, da wir nicht vorschnell (und wiederum aus politisch-intellektuellen Vorannahmen) die Notwendigkeit des politischen Kampfes für den Sozialismus deklarieren wollen. Die Projekte, in denen wir aktiv sind, sollen von Anfang an über den engen Horizont der Interessenvertretung hinaus auf Ermächtigung des Individuums und des spezifischen Kollektivs, in dem es sich wiederfindet, drängen. Erst wenn der jahre- bis jahrzehntelange Aufbau solcher Kämpfe in der Praxis an die Grenzen von Kapital und Staat stößt, werden diese von Abstraktionen in den Köpfen der Intellektuellen zu politischen Gegnern, die es folgerichtig politisch zu überwinden gilt. Alle Projekte, die einen solchen Prozess möglich erscheinen lassen, sind für Aktivisten der KSP interessant.
Alex
Wir probieren alles aus, was jemandem einfällt, der aktiv werden möchte. Das Kriterium dafür, ob es „funktioniert“, ist immer: Können sich im Projekt Menschen unabhängig von Staat und Kapital für ihre Interessen organisieren?
Jim Igor
Meine Antwort wäre fast so kurz, nämlich mit der Ergänzung, dass es diese Art von Aktivismus kaum gibt und wir deshalb nicht wissen, was funktioniert oder nicht und die Maßstäbe, ob und wie etwas funktioniert, erst aus der Aktivität selbst erwachsen. Man muss einfach anfangen, Fehler machen, korrigieren und das mit Leuten zusammen, mit denen man Erfahrungen machen kann.
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