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KONVERSATIONEN # 10
Wir dokumentieren im Folgenden eine Unterhaltung zwischen Max (KSP-Mitglied aus Leipzig)
und einem Follower vom 15.06.2025.
Wieso legt ihr Wert darauf, dass die zivilgesellschaftlichen Projekte sich unabhängig von der KSP organisieren?
Max
Selbstorganisation anzustoßen und nicht nur ein Beratungsangebot oder ein kostenloser Dienstleister zu sein ist natürlich viel einfacher gesagt als getan. In unserer letzten (sechsten) Newsletter-Ausgabe könnt ihr lesen, wie Maximilian von der Mietergewerkschaft berichtet, wie er häufiger mal auf die Erwartung bei den Mieterinnen und Mietern trifft, als Dienstleister Probleme für sie zu lösen, statt dass sie den Antrieb haben, sich miteinander zu vernetzen und die Sache
gemeinsam selbst in die Hand zu nehmen. Diese Mentalität trifft man überall in der Gesellschaft an – u.a. weil der Komplex an NGOs, privatwirtschaftlichen Dienstleistern und natürlich staatlichen
und halbstaatlichen Wohlfahrtseinrichtungen die Leute aktiv zu dieser passiven Kunden/Bittsteller Rolle erzieht.
Wenn man Hilfe braucht, muss man zwar aktiv danach bitten, sein Schicksal dann aber passiv an diese meist undurchschaubare Bürokratie überantworten und bleibt wie ein Kind darauf angewiesen, nur hoffen zu können, dass einem geholfen wird. Wenn wir jemals die Kraft wieder
erwecken wollen, die die alte sozialistische Arbeiterbewegung so stark gemacht hat, ist sicher der erste Schritt, mit dieser Entmündigung zu brechen – das heißt auch das Verhältnis zu überwinden, in dem auf der einen Seite wir guten, altruistischen Linken und auf der anderen Seite die armen, ohnmächtigen Bedürftigen stehen. Das geht nicht, indem wir den Leuten erklären, dass sie sich mal bitte selbst organisieren sollen, sondern nur, indem sie erfahren, dass das geht und dass ihnen das konkret weiterhilft.
Als KSP experimentieren wir mit Aktivismus, der solche Erfahrungen möglich machen soll. Ein Beispiel für eine solche Erfahrung, durch die klar wird, dass man sein Schicksal zusammen in die Hand nehmen kann, ist sicher die gemeinsame Betriebskostenabrechnung von Mieterinnen und Mietern und das gemeinsame Vorgehen gegen überzogene Nebenkosten. Ein anderes, wenn Schülerinnen und Schüler in der Lernhilfe sich manchmal gegenseitig Sachen beibringen können,
die der/die jeweils andere noch nicht kapiert hat. Wir wollen alle dazu motivieren, eine solche Art von Praxis zu machen: Praxis, die nicht primär ein Werbeschild ist, das man für seine Gruppe aufstellt, sondern die solche Art von Erfahrungen möglich macht.
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